Veranstaltungen im Mahnmal St. Nikolai Januar bis April 2020

Gerne möchten wir Sie an dieser Stelle auf die geplanten Veranstaltungen des Mahnmal St. Nikolai aufmerksam machen. Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage des Mahnmals St. Nikolai.

 

Jeden Donnerstag um 12 Uhr: Carillon-Konzert auf dem Turmglockenspiel

 

Überlebt! Und nun?

Vortrag

Freitag, 17. Januar 2020 18.00 Uhr

 

Alyn Beßmann und Lennart Onken (beide KZ-Gedenkstätte Neuengamme) haben gemeinsam die aktuell im Rathaus gezeigte Ausstellung „Überlebt! Und nun? NS-Verfolgte in Hamburg nach ihrer Befreiung“ entwickelt. Sie schildern in ihrem Vortrag die Lebensumstände von KZ-Häftlingen und anderen Verfolgten in und aus Hamburg in den ersten Wochen und Monaten nach dem Kriegsende. Viele hatten den nationalsozialistischen Terror nur um Haaresbreite überlebt, waren ausgezehrt, schwer krank und besaßen nur noch, was sie auf dem Leib trugen. Wo konnten sie Essen und medizinische Versorgung erhalten? Wie sollten sie nach Hause kommen? Hatten ihre Angehörigen die Verfolgung überlebt? Die Rückkehr in ein „normales“ Leben stellte viele Überlebende vor Probleme und blieb oftmals ein schwieriger Prozess. 75 Jahre nach der Befreiung durch die Alliierten hält das Kuratoren-Team Rückschau auf die ersten Monate in Hamburg nach dem Kriegsende und berichtet anhand vieler Beispiele von den Erfahrungen, Hoffnungen und Enttäuschungen der Befreiten.

Eine Veranstaltung der KZ-Gedenkstätte Neuengamme in Kooperation mit dem Mahnmal St. Nikolai im Rahmen der im Foyer des Hamburger Rathauses gezeigten Ausstellung "Überlebt! Und nun?".

Eintritt frei

 

Zerbrochene Erwartungen

Vortrag

Mittwoch, 22. Januar 2020 18.00 Uhr

 

Wie war die Situation der homosexuellen Männer, die aus dem Konzentrationslager entlassen wurden, nach dem Ende der NS-Zeit? Welche Erwartungen hatten diese Männer an die Zukunft?

Der Historiker Dr. Gottfried Lorenz stellt in seinem Vortrag Menschen vor, die den Nationalsozialismus überlebt und nach dem Krieg in Hamburg ihr Leben aufgebaut haben. Er berichtet u.a. von den Erfahrungen von Gustav Pannier, Dr. Paul Biederich und Oskar Kertscher. Letzterer klagte beim Bundes­ver­fassungs­gericht gegen den § 175. Der Vortrag zeigt die Diskrepanz zwischen (schein­barer) Befrei­ung und Kontinuität der Verfolgung auf.

Kooperationsveranstaltung der KZ-Gedenkstätte Neuengamme mit der Initiative „Gemeinsam gegen das Vergessen - Stolpersteine für homosexuelle NS-Opfer" und dem Mahnmal St. Nikolai. 

Eintritt frei

 

Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus

Gedenkveranstaltung

Montag, 27. Januar 2020 18.30 Uhr

 

18.30 Uhr      Carillonkonzert, am Spieltisch Werner Lamm

19.00 Uhr      Ökumenische Andacht. Liturgische Gestaltung: Hauptpastor und Propst Dr. Martin Vetter (Hauptkirche St. Nikolai) und Pfarrer Dr. Jacek Bystron (Polnische Katholische Mission)

anschließend

Eröffnung der Sonderausstellung

„Im Reich der Nummern, wo die Männer keine Namen haben.“ Haft und Exil der Novemberpogrom-Gefangenen im KZ Sachsenhausen.

Begrüßung: Klaus Francke, Förderkreis Mahnmal St. Nikolai

Grußwort: David Patrician, freier Journalist und Tagungsleiter der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V.

Einführender Vortrag: Dr. Astrid Ley, Gedenkstätte Sachsenhausen, Kuratorin der Ausstellung

Moderation: Dr. Sabine Bamberger-Stemmann, Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg

Musikalische Begleitung: Miriam Sharoni (Gesang) und Werner Lamm (Klavier)

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung, Politi­sches Bildungsforum Hamburg, und der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg. 

Eintritt frei

 

"Im Reich der Nummern, wo die Männer keine Namen haben" - Haft und Exil der Novemberprogrom-Gefangenen im KZ-Sachsenhausen

Sonderausstellung

28. Januar bis 30. April 2020 täglich von 10 bis 17 Uhr

 

Nach der Pogromnacht am 9. November 1938, bei der Schlägertrupps der NSDAP und SA vor aller Augen reichsweit Synagogen in Brand setzten, jüdische Bürger misshandelten und ihre Geschäfte und Wohnungen zertrümmerten, wurden 27.000 jüdische Männer in ganz Deutschland verhaftet und in Konzentrationslager verschleppt, über 6.300 von ihnen in das nödlich von Berlin gelegene KZ Sachsenhausen. Ziel der Massenverhaftungen war es, den Auswanderungsdruck auf die deutschen Juden massiv zu erhöhen. Tatsächlich wurde die große Mehrheit nach einigen Wochen unter der Auflage wieder entlassen, sofort aus Deutschland zu emigrieren. Viele von ihnen überlebten in der Folge das NS-Regime und den Krieg.

Die Ausstellung stellt anhand von  zwölf gut belegten Biographien Schicksale von nach dem November-Pogrom in Sachsenhausen internierten jüdischen Männern und ihren Familien vor. Angehörige der 2. und 3. Generation berichten, wie Deportation, Flucht und Exil das Leben ihrer (Groß-)Eltern beeinflussten und welche Bedeutung diese Erfahrungen heute in den betroffenen Familien haben. 

Die Ausstellung wurde von Dr. Astrid Ley, stellvertretende Leiterin der Gedenkstätte Sachsenhausen, kuratiert und erstmalig 2018 parallel im Berliner Abgeordnetenhaus und im Holocaust Museum Houston (Tx., USA) präsentiert.

Die Präsentation der Ausstellung in Hamburg ist eine Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und wird gefördert von der Axel Springer Stiftung.

Eintritt frei

 

Die Carmen von St. Pauli

Stummfilm mit Akkordeonbegleitung

Montag, 3. Febraur 2020 19.00 Uhr

 

D 1928, 95 min., Regie: Erich Waschneck, mit Jenny Jugo und Willy Fritsch

Der Hamburger Bootsmaat Klaus Brandt lässt sich von der Seeräuberbraut Jenny, Star der Hafenkaschemme „Zum Guten Ankergrund“, in die dunklen Geschäfte der Schmugglerbande »Hafenratten« hineinziehen - und gerät in Verdacht, den Mord an einem Rivalen begangen zu haben. „Die Carmen von St. Pauli“ ist eine sehr freie Bearbeitung der Oper von Georges Bizet vor dem kontrastreichen Hintergrund der realen Arbeitswelt im Hamburger Hafen der 1920er Jahre sowie den spätexpressionistischen Kulissen der UfA-Studios in Babelsberg.

Die Akkordeonistin Natalie Böttcher lässt die neorealistische Szenerie der blühenden Schattenwirtschaft und anstehenden Weltwirtschaftskrise mit der Klangfarbenpracht der französischen Musette und der hamburgischen Seemannslieder aufleben.

Eintritt frei, um Spenden wird gebeten.

Eine Veranstaltung des Deutsch-französischen Kulturfestivals arabesques in Kooperation mit dem Mahnmal St. Nikolai.

 

Die jüdischen Häftlinge der "Juni-Aktion" 1938 in Hamburg - Das Vorspiel zum Novemberprogrom

Vortrag

Montag, 17. Febraur 2020 19.00 Uhr

 

Im Juni 1938 verhaftete die Kriminalpolizei reichsweit 12.000 Männer als „Asoziale“ bzw. „Arbeitsscheue“ und lieferte sie in Konzentrationslager ein. Unter ihnen befanden sich ca. 4.000 Juden, die – irgendwann in ihrer Vergangenheit – zu einer Haftstrafe von bis zu 4 Wochen verurteilt worden waren. Aus Hamburg traf die Aktion ca. 700 Männer, darunter 200 Juden. Sie wurden in das KZ Sachsenhausen verschleppt, wo sich viele von ihnen noch immer befanden, als die ersten Verhafteten des Novemberpogroms 1938 eintrafen. Die Veranstaltung gibt einen Einblick in die Hintergründe und den Ablauf dieser wenig bekannten Verhaftungswelle.

Nach einer Einführung von Dr. Beate Meyer präsentieren Referentinnen aus dem Projekt „Stolpersteine in Hamburg – biographische Spurensuche“ Lebensläufe von betroffenen Hamburger Juden.

Eine Veranstaltung in Kooperation mit Landeszentrale für politische Bildung Hamburg. Eintritt frei.

 

Spiralen der Erinnerung

Konzert und Film

Dienstag, 25. Febraur 2020 18.30 Uhr

 

Das Duo Les Maries (Marie-Laure Timmich und Klaus Sieg) interpretiert Perlen deutscher und französischer Filmmusik. Mit Liedern von Hildegard Knef stimmt Les Maries ein auf den anschließend laufenden Film „Die Mörder sind unter uns“ (D 1946, 81 min., Regie und Drehbuch: Wolfgang Staudte). Dieser erste deutsche Film der Nachkriegszeit spielt im zerbombten Berlin. Die junge Fotografin Susanne (Hildegard Knef) kehrt aus dem Konzentrationslager in ihre Wohnung zurück. Dort trifft sie auf den früheren Militärarzt Hans Merten (Ernst Wilhelm Borchert), der seine quälenden Erinnerungen in Alkohol ertränkt. Als er mit ihrer Hilfe wieder Fuß zu fassen beginnt, begegnet ihm sein früherer Hauptmann (Arno Paulsen), der im Krieg eine Vergeltungsaktion gegen polnische Zivilbevölkerung befohlen hatte. Wird Susanne Hans davon abhalten können, Selbstjustiz zu üben?

Anmeldung unter info@arabesques-hamburg.de

Eintritt frei, um Spenden wird gebeten.

Eine Veranstaltung des Deutsch-französischen Kulturfestivals arabesques in Kooperation mit dem Mahnmal St. Nikolai.

 

Lucie Borchardt und Fairplay-Reederei - eine starke Frau in schweren Zeiten

Vortrag

Dienstag, 17. März 2020 19.00 Uhr

 

Die 1905 gegründete „Fairplay Schleppdampfschiffs-Reederei Richard Borchardt“ wurde nach dem Tod des jüdischen Firmeninhabers Richard Borchardt von dessen Ehefrau Lucie Borchardt übernommen. In den Jahren 1935 bis 1938 ermöglichte die Reederin in enger Zusammenarbeit mit der zionistischen Jugendbewegung „Hechaluz“ jungen Juden die Flucht aus Deutschland. Sie konnten auf den Schiffen der Reederei eine Ausbildung machen und so eine der Voraussetzungen für die Einwanderung nach Palästina erfüllen. 1938 wurde das Unternehmen nicht unmittelbar „arisiert“, sondern in die vom NSDAP-Gauleiter Karl Kaufmann kontrollierte „Fairplay-Stiftung Hamburg“ umgewandelt. Lucie Borchardt emigrierte im August 1938 nach Großbritannien und baute sich dort eine neue Existenz auf.

Die Historikerin Sandra Wachtel, Mitarbeiterin der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, stellt das Leben dieser außergewöhnlichen Hamburgerin vor.

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und der KZ-Gedenkstätte Neuengamme.

Eintritt frei.

 

Die Masseninternierungen nach dem Novemberprogrom 1938: Antisemitischer Terror und jüdische Selbstbehauptungen im Konzentrationslager

Vortrag

Donnerstag, 26. März 2020 19.00 Uhr

 

Der Pogrom am 9. November 1938 markiert einen Einschnitt in der Verfolgungsgeschichte der Jüdinnen und Juden im Nationalsozialismus. Er steht für antisemitischen Terror bis dahin unerreichten Ausmaßes, im Zuge dessen über 26.000 jüdische Männer in die Konzentrationslager Sachsenhausen, Buchenwald und Dachau verschleppt wurden. Dort wurden sie weit schlechter behandelt als die übrigen Gefangenen. Mit den Massenverhaftungen sollte der Auswanderungsdruck auf die deutschen Juden massiv erhöht werden.

In ihrem Vortrag rekonstruiert Kim Wünschmann (München) die Ereignisse rund um die Massen­internierungen in den Tagen nach dem Novemberpogrom, fragt nach den Haft- und Entlassungsbedingungen und analysiert, wie die Verfolgten die historische Situation erlebten und welche Strategien der Selbstbehauptung sie entwickelten.

Moderation: Dr. Sabine Bamberger-Stemmann, Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg.

Dr. Kim Wünschmann ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Zeitgeschichte der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und Koordinatorin der LMU am Zentrum für Holocaust-Studien am Institut für Zeitgeschichte München.

Veranstaltung in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg.

Eintritt frei.

 

Gewalt im November 1938 - Die "Reichskristallnacht" - Initial zum Holocaust

Buchvorstellung

Donnerstag, 2. April 2020 19.00 Uhr

 

Mit der „Reichskristallnacht” begann offene Gewalt gegen Juden, staatlich inszeniert, ausgeübt nicht nur von fanatischen Nationalsozialisten, sondern auch von Menschen, die zuvor freundliche Nachbarn und friedliche Mitbürger waren.

In seinem Buch Gewalt im November 1938. Die „Reichskristallnacht“ – Initial zum Holocaust (2018) legt Wolfgang Benz dar, dass die Pogrome im November – Brandstiftung gegen Synagogen, Plünderung und öffentliche Misshandlung der Juden – ein Rückfall in finstere Barbarei waren. Ihnen folgten die Beraubung und Entrechtung der Juden durch die Regierung, die NSDAP und eine willfährige Bürokratie. Anfang 1939 war die wirtschaftliche und öffentliche Existenz der deutschen Juden zerstört. Der Ghettoisierung in „Judenhäusern”, Reglementierung des Alltags, Zwangsarbeit und schließlich völligen Rechtlosigkeit folgten das Verbot der Auswanderung, die Kennzeichnung mit dem „Judenstern”, die Deportation in Ghettos und Vernichtungsstätten im Osten und der organisierte systematische Judenmord. Die „Reichskristallnacht” war der Auftakt zum Holocaust.

Prof. Dr. Wolfgang Benz (Berlin) ist Professor em. an der Technischen Universität Berlin. Bis 2011 war er Leiter des dortigen Zentrums für Antisemitismusforschung.

Moderation: Dr. Sabine Bamberger-Stemmann, Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg.

Veranstaltung in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg.

Eintritt frei.

 

Flucht aus Nazi-Deutschland - Exil in der Türkei

Vortrag

Donnerstag, 23. April 2020 19.00 Uhr

 

Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten 1933 versuchten politisch wie auch rassisch Verfolgte aus Deutschland zu emigrieren. Eines der weniger bekannten Exilländer ist die Türkei. Dabei konnten zahlreiche Wissenschaftler aus Deutschland hohe Positionen in türkischen Regierungsinstitutionen und insbesondere an der Istanbuler Universität einnehmen.

Dr. Corry Guttstadt, Historikerin und Turkologin, zeichnet am Beispiel der Lebensläufe von aus Hamburg Emigrierten dieses besondere Exil nach.

Veranstaltung in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg. Eintritt frei.